Ich habe abgetrieben

Ich habe abgetrieben

„Wir haben abgetrieben“

Zu dieser Aussage bekannten sich 374 cis-Frauen, die sich 1971 auf dem Titelblatt des Stern-Magazins abbilden ließen, als Protest gegen §218, der Schwangerschaftsabbrüche als Straftat definiert.

Der Kontext heute ist ein anderer. Schwangerschaftsabbrüche sind zwar immer noch illegal, aber die sogenannte „Kompromisslösung“ macht es möglich, trotzdem einen Abbruch vorzunehmen und erschwert den Zugang zugleich.

Eine Person, die sich für einen Abbruch entscheidet, muss nach einer Zwangsberatung (die zwar „ergebnisoffen“ sein aber auch „dem Schutz des ungeborenen Lebens“ dienen soll) eine 72-stündige Bedenkzeit über sich ergehen lassen, um straffrei die Schwangerschaft abzubrechen. Der Zugang wird aber auch dadurch erschwert, dass es immer weniger Ärzt*innen gibt, die Abbrüche durchführen, zum Teil auch deshalb, weil Abbrüche nicht Teil des Curriculums im Medizinstudium sind. Und jene, die diese Leistung anbieten, dürfen nicht darüber informieren, weil sie damit gegen §219a des Schwangerschaftskonfliktgesetzes verstoßen würden, der es Ärzt*innen verbietet, „Werbung“ für Schwangerschaftsabbrüche zu machen.

Die Verurteilung der Ärztin Kristina Hänel, weil sie auf ihrer Webseite bekannt machte, dass sie neben anderen Leistungen auch Abbrüche anbietet, hat wieder auf das Thema „Schwangerschaftsabbruch“ und auf das Ausmaß der Einschränkung reproduktiver Rechte und der Selbstbestimmung in Deutschland aufmerksam gemacht. Diese Einschränkung wird auch durch den wachsenden Einfluss von rechten und christlich-fundamentalistischen Strömungen verstärkt, die Ärzt*innen, die Abbrüche durchführen, systematisch anzeigen oder als Einschüchterungstaktik Beratungsstellen wie ProFamilia belagern.

In diesem heutigen Kontext ist dieses Video entstanden.

Das Kollektiv KINOKAS hat Interviews mit Personen zu ihren Schwangerschaftsabbrüchen geführt. Entstanden sind Erfahrungsberichte, die für sich stehen, und die im Verhältnis zu den anderen Geschichten die Unterschiede, Ähnlichkeiten und Vielfalt der Erfahrungen aufzeigen. Gemeinsam geben diese Geschichten auch Auskunft darüber, wie reproduktive Gerechtigkeit in Deutschland erlebt wird und wie sich der institutionelle Rahmen auf Individuen auswirkt.

„Ich habe abgetrieben“

Vier cis-Frauen brechen in diesem Video das Tabu und erzählen von ihren Erfahrungen und führen uns zugleich gemeinsam durch die Chronologie eines Schwangerschaftsabbruchs.

Diese dokumentarische Arbeit ist Teil eines größeren Dokufilmprojektes, das zum Einen den Stand der reproduktiven Gerechtigkeit in Deutschland mit einem intersektionalen und queerfeministischen Ansatz erforscht aber sich auch zum Ziel macht, durch die Veröffentlichung solcher Erfahrungsberichte der Netzdominanz und Falschinformationen christlich-fundamentalistischer Netzwerke entgegenzuwirken.