IRL-Treffen, online Pläne

Für uns als Kollektiv haben die Covid-19-Maßnahmen, wie für viele Projekte, eine Vertagung und Umstrukturierung gefordert. Unsere Drehplanung hat sich nun nach hinten verschoben, und die freigewordene Zeit haben wir in die Arbeit an unserer Webseite gesteckt. 


Die Webseite soll als Projektarchiv aber auch als digitale Bibliothek dienen, auf der die Erfahrungsberichte (die im Dokufilm aus Zeit- und Erzählgründen gekürzt vorkommen) einzeln als Kurzfilme veröffentlicht werden, wo es Raum für die Individualität jeder Erfahrung geben kann. Ferner soll diese Webseite eine Ressource sein, für Menschen, die ungewollt schwanger sind, und sich über Schwangerschaftsabbrüche aus Betroffenenperspektive informieren möchten. Es soll auch möglich sein, nach Themen zu suchen, sodass eine Person, die sich für einen medikamentösen Abbruch beispielsweise interessiert, gleiche alle Clips zu dem Thema ansehen kann. Vielleicht wird dieses digitale Archiv sogar das von unseren Interviewpartner*innen vielbeschriebene Gefühl lindern, allein mit dieser Erfahrung zu sein. Ferner möchten wir mit dieser Webseite, wie auch mit dem Film, zur Enttabuisierung dieses Themas beitragen. 


Die Website soll am 25. September – International Safe Abortion Day! – online gehen.


Da wir uns nun wieder IRL treffen können und nicht mehr auf Videokonferenzen angewiesen sind, können wir endlich auf unsere lang geplante Schreibresidenz fahren. Ende Juni werden wir als Kollektiv ein Wochenende lang in der Natur den Dreh unseres FLINTQ*-Chors planen. Der Chor soll die Erzählerstimme im Film durch chorisch gesprochene, inszenierte Bilder ersetzen – ein Versuch, mit einer multiperspektivischen Erzählweise im Dokumentarfilm zu experimentieren. Wir freuen uns sehr darauf!


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Die Maßnahmen zur Covid-19-Eindämmung in Deutschland lockern sich langsam. Von einer „Normalität“, die wieder eintritt, kann aber nicht wirklich gesprochen werden. Wir wollen uns nicht anmaßen, große Aussagen über diese Zeit machen zu können, möchten aber auch nicht ignorieren, was in den letzten Monaten alles geschehen ist. 


Die globale Pandemie traf jene Menschen am Stärksten, die ohnehin schon marginalisiert und vulnerabilisiert sind: ältere Menschen, die im Seniorenheim wohnen; geflüchtete Menschen, die in großen Unterkünften leben müssen; jene Menschen, die nicht das Privileg hatten, von zuhause aus arbeiten zu können; jene Menschen, die zuhause Gewalt erfahren. 


Wir verurteilen die sogenannten „Hygiene-Demos“, die vielmehr ein Nährboden für Rechtsradikalisierung darstellen als eine demokratieschützende Kraft. Es sind nämlich jene, die ohnehin schon Zielscheibe für eine rassistische Polizei sind, deren Rechte durch die selektive Kontrolle gemäß der Covid-19 Eindämmungsmaßnahmen gefährdet sind. Auch „bei uns“ sind Racial Profiling und rassistische Polizeigewalt ein Problem, wie die brutalen Festnahmen von größtenteils Schwarzen Jugendlichen und Jugendlichen of Colour nach der friedlichen BLM-Demo am Alexanderplatz nochmal zeigen. Wir solidarisieren uns ebenso mit Black Lives Matter und mit den Kämpfen gegen rassistische Polizeigewalt in den USA.


KOP (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt) engagiert sich schon seit fast 10 Jahren für Betroffene rassistischer Polizeigewalt. Auf ihrer Webseite kann man sich gut über die Situation in Deutschland informieren und auch erfahren, wie man sich als Zeug*in rassistischer Polizeigewalt handeln und mit Betroffenen solidarisieren kann. KOP sammelt in einer Chronik auch Erfahrungsberichte von Betroffenen und Zeug*innen, um die Situation in Deutschland zu dokumentieren: https://kop-berlin.de/